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Gartentage

Februar und März 2016 – Acker Pella im Vorfrühling

Der phänologische Kalender kennt zehn Jahreszeiten, die nach bestimmten Naturerscheinungen eingeteilt werden. Der Vorfrühling liegt etwa zwischen Ende Februar und Mitte März. Erste Schneeglöckchenblüten sind ein Hinweis. Winter und Frühling behaken sich noch. Aber so langsam lassen sich Ackerböden bearbeiten. Und beim Umgraben eines Beetes fanden wir – Regenwürmer!! Die Umstellung auf Bio hat also gut getan: Bodenpflege mit Kompost und Urgesteinsmehl, Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz und Kunstdünger, Anbau in Mischkultur mit Fruchtwechsel.

Französischer Thymian hat draußen überwintert. Petersilie kann noch geerntet werden. Spinat und Rhabarber lassen sich sehen, und die Lauchzwiebeln werden größer.

Die Beete sind nun gemäß Kulturplan abgesteckt. Dort, wo wir umgegraben haben, wurden Dicke Bohnen gesät. Sie sind Frühaufsteher unter den Freilandkulturen. Wir verwendeten wie immer samenfeste Sorten – von Dreschflegel eine Puffbohne Rotsamige, von der Bingenheimer Saatgut AG die Ratio. Dicke Bohnen werden manchmal Puffbohnen, Saubohnen oder Pferdebohnen genannt, der botanische Name ist immer vicia faba. Diese Bohnenart eignet sich nicht nur für deftige Eintöpfe! Sie kann mit ihren Pfahlwurzeln schwere Böden auflockern, was bei uns allerdings unnötig ist, weil wir leichte Sandböden haben, die andere Anforderungen stellen. Dicke Bohnen zählen darüber hinaus zu den Leguminosen, die Stickstoff anreichern und dadurch andere Pflanzen versorgen können. Trotz dieses Vorteils gilt für Leguminosen dasselbe wie für die meisten Kulturpflanzen: sie sollten nicht jedes Jahr auf derselben Fläche angebaut werden.

Die Neugestaltung des Lerngartens mit Obstwiese kommt ebenfalls weiter voran: zwischen den hinteren Baumreihen am Zaun und den Beeten liegt seit Mittwoch eine dicke Packung aus Holzhäckseln. Sie soll verhindern, dass sich hartnäckige Begleitkräuter vom Rand her ausbreiten. Es sieht aber auch hübsch aus. Möglich, dass dort bald eine gemütliche Sitzgruppe steht.

Ein wenig Vorsorge für das nächste und übernächste Jahr leisten wir mit dem Anlegen neuer Komposthaufen, während die gereiften abgetragen wurden. Der Kreislauf geht wieder los.

In den Gewächshäusern ist Ruhe vor dem Sturm. In einer Reihe stehen noch Kopfsalate. Eine Feldsalatsorte ist erntereif. Sonst steht da nichts, die Pflanzenreste der letzten Saison liegen auf dem Komposthaufen. Kleiner Tipp zum Feldsalat: der liefert Vitamin C im Winter, schmeckt aber auch gedünstet oder in Suppen.

Im Februar wurden die Gewächshausreihen vorbereitet mit gesiebtem Kompost, Urgesteinsmehl, Hornspänen, pelletiertem Rindermist. Später wachsen hier wieder Tomaten, Paprika, Auberginen, Gurken, Zucchini unter Glas. Tomaten und Paprika werden bereits vorgezogen, damit sie im April oder Mai umgesetzt werden können.

Apropos, Glas … da sind Reparaturen fällig. Ein Vorteil von Glasgewächshäusern ist, dass sich durch das Material keine zusätzliche Feuchtigkeit ansammelt, anders als bei Plastik. Neben weiteren Aufräumarbeiten oder der Sorge um Wasseranschluss sind weitere Reparaturen und Entsorgungsarbeiten nötig.

Es wird nie langweilig!

August und September

Die Ernte dieses Jahr war ausgesprochen gut. Die Gurkensaison ist inzwischen langsam zu Ende, dafür dauert die Tomatenernte nach wie vor an und die ersten Kürbisse sind reif. Viele Liter Tomatensauce für den Winter sind eingekocht. Auch Thymianzucker, Kräutertees und Gewürzkräuter sind bereits für den Winter getrocknet. Neben den Tomaten waren in dieser Saison die Auberginen und Lauchzwiebeln von ganz besonderer Qualität. 20150710_153908[1]

Ebenfalls beliebt sind die unterschiedlichfarbigen Bohnen, die wir auf dem Acker gepflanzt haben und unsere verschiedenen Zucchinisorten.  Die Möhrchen haben sich zwar durch einen hervorragenden Geschmack ausgezeichnet, waren allerdings eher von kleiner Größe und wiesen teilweise Fraßschäden auf. Auch im Rote Beete-Feld sind einige der Rüben den Wühlmäusen zum Opfer gefallen.  Wir nehmen es gelassen, schließlich haben wir trotzdem allemal genug ernten können. Während wir schon früh Kürbisse ernten können, lässt der sehr spät ausgebrachte Zuckermais noch auf sich warten. Auch im Winter wollen wir auf Frisches vom Acker nicht verzichten. Deswegen sind auch bereits wieder einige Kulturen, wie Wintersalat und Spinat, in der Vorzucht. Der Winter ist allerdings auch die Zeit der Instandsetzungen, der Netzwerkpflege und Planung von Aktionen für das nächste Jahr.

 

Juli

Wir freuen uns über die Früchte unserer Arbeit.  Bei den Tomaten dauert es zwar noch ein bisschen bis zum großen Knall, wenn sich alles rot färbt, aber die Gurken, Zucchini, Lauchzwiebeln, Salate, Rote Beete schmecken bereits hervorragend.

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Mai

Alle herangezogenen Jungpflanzen werden nun an ihre Bestimmungsorte gepflanzt. Es macht Freude das frische Grün der Pflanzen zu betrachten. Es ist trocken in diesem Monat. Wir müssen viel wässern.  Zum Glück sind inzwischen die notwendigsten infrastrukturellen Arbeiten erledigt, sodass wir uns jetzt auf die Pflege der Kulturen konzentrieren können.  Nach der Arbeit schmecken die frischen Salate, Radieschen, Beeren und Kräuter, die wir im Garten ernten, besonders lecker.

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Leckere Johannisbeeren sind bereits reif
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Frische Kräuter sind für jede Mahlzeit eine Bereicherung

April

Der arbeitsintensivste Monat im Jahr. Wir flicken die Gewächshausdächer, bereiten Böden vor, sieben Kompost. Wir säen was das Zeug hält, pikieren, pflanzen, jäten. Immer noch sind auch infrastrukturelle Aufgaben an der Tagesordnung. Wir  bauen Ständer für unsere Werkzeuge, arbeiten an der Beleuchtung des Geländes, haben Wege ausgebessert und Versorgungsleitungen gelegt, u.v.m. Die Tage werden spürbar länger. Es ist schön zu sehen, wie alles grünt, der Frühling seine Farbenpracht entwickelt und auch die Tiere auf den Acker zurückkehren.  Es summt und brummt überall dort, wo Phacelia ihre ersten Blüten öffnet. Schmetterlinge tun sich an Blüten- und Pflanzensaft gütig.

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Ein C-Falter in unserer neu angelegten Beerenobstplantage

Natürlich teilen wir unser Gemüse nicht mit jedem Tier oder Insekt wirklich gerne. Wenn der Maulwurf ein frisch eingesätes oder bepflanztes Beet mit seinen Gängen und Hügeln hochwirft oder die Wühlmäuse und Schnecken sich außerhalb der eigens für sie angelegten Topinamburbarriere austoben, ist das ärgerlich.  Andererseits ist ein Maulwurf  immer ein Zeichen für gesunde Böden. Dort wo er ist, sind auch viele Regen-, Ringelwürmer und andere Kleinstlebewesen im Boden.  Er ernährt sich von Insekten und ihren Larven, wie z.B. Engerlingen und Raupen, aber auch von Schnecken. Ein Maulwurf ist dabei ein wirklicher Vielfresser. Jeden Tag verputzt er etwa die Hälfte seines eigenen Gewichts.   Auf diese Weise ist er daran beteiligt, für unser Gemüse schädliche Populationen klein zu halten. Unschön im Rahmen des Gemüseanbaus hingegen ist, dass auch andere Nagetiere die Gänge des Maulwurfes nutzen, um an den unterirdischen Pflanzenteilen zu nagen. Die an anderer Stelle durchaus als positiv zu betrachtende Eigenschaft des Maulwurfes den Boden durch das Graben seiner Gänge und Kammern zu durchlüften, drainieren und zu vermischen, ist auf dem Gemüseacker eher unerwünscht. Dennoch gilt: Maulwürfe  stehen unter Naturschutz. Sie dürfen nicht getötet oder gefangen werden.  Viele setzen daher darauf den Maulwurf mittels akustischer (im Boden vergrabene Flasche, über die der Wind streicht, Hundegebell, klirrende Stangen) oder olfaktorischer Mittel (Buttermilch, Alkohol, Molke, Nelkenöl) zu vertreiben. Maulwürfe können nicht sehen, sind aber mit einem guten Gehör- und Geruchssinn ausgestattet.  Wir verzichten auf die olfaktorische Belästigung von Herrn Grabowski, weil auch wir beim Jäten nicht von Wolken vergorener Buttermilch umgeben sein wollen und Lärm und Erschütterungen machen unseren Maulwürfen auf dem Acker neben dem Bahndamm kaum etwas aus. Stattdessen runzeln wir die Stirn, wenn Herr Grabowski mal wieder einen Gang direkt unter einer frischen Einsaat angelegt hat und freuen uns darüber, wenn der kleine Buddler gelegentlich an der Oberfläche zu sehen ist. Irgendwie doch ganz niedlich der Kleine!

Dank den Erfahrungen der letzten Jahre wissen wir nun, wann in  etwa, welcher Schädling und welcher Nützling auf dem Acker und in den Gewächshäusern aktiv werden wird. Bei vielem müssen wir gar nicht eingreifen. Oft hält die Natur selbst die Lösung parat. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Betrachtung der Kultur der Dicken Bohne (Vicia faba) : Weil die Dicke Bohne Frost bis -7° C verträgt, säen wir sie früh im Jahr, sodass sie einen Wachstumsvorsprung hat, bevor die schwarze Bohnenlaus (Aphis fabae) aktiv wird. Wenn sie im April von ihren Winterquatieren auf die krautigen Sommerwirte übersiedeln, ist die Bohne schon so groß, dass sie gut gegen den Befall gewappnet ist. Ein bisschen Bohnenlaus, die an der Pflanze saugt, um an die kohlenhydratreichen Pflanzensäfte zu gelagen, bringt nicht gleich die ganze Pflanze um. Marienkäfer sind nun die besten Partner bei der Bekämpfung der Bohnenläuse. Man muss ihnen keine Einladung schicken, sie kommen ganz von selbst, sobald sich ein Befall eingestellt hat. Ärgerlicherweise hat auch ein anderes Insekt Wind von der Bohnenlauspopulation an der Dicken Bohne bekommen: die Ameise. Ameisen helfen den Bohnenläusen ihre Kolonien zu vergrößern und schützen sie gegen Fressfeinde. Es lassen sich viele Scharmützel zwischen Ameisen und Marienkäfern beobachten. Die Ameisen haben ein Interesse am Erhalt und der Vergrößerung der Bohnenlauspopulation, da sie die Läuse, die ein “Honigtau” genanntes Sekret absondern, “melken”.  Wenn wir nicht eingreifen, ist es in der Regel so, dass sich der Befall zunächst auf zwei bis drei Pflanzen im Beet konzentriert. Erst zur Erntezeit dehnt sich der Befall auch auf weitere Pflanzen aus. Um die Bohnenlaus an der Dicken Bohne zu bekämpfen braucht es keine Chemikalien. Scheinen die Ameisen zu erfolgreich bei der Vergrößerung der Population, genügt ein mittelharter Wasserstrahl aus der Druckpumpe, um die Läuse von der Pflanze zu spülen. Die Ameisen werden schon kurz danach damit beschäftigt sein, von den Läusen wieder auf die Pflanze zu bringen, was noch zu retten ist, aber der Ausbreitung des Befalls wurde zunächst ein empfindlicher Rückschlag entgegengesetzt. Alternativ können die stark befallenen Pflanzen natürlich auch entfernt werden. Bei der Menge der Bohnen, die wir anpflanzen, fällt dies nicht weiter ins Gewicht und ist ebenfalls ein effektives Mittel, um die Ausbreitung der Bohnenlaus in der Kultur einzudämmen.

Februar und März

Auf dem Acker und in den Gewächshäusern läuft die Vorbereitung der Böden auf Hochtouren. Die ersten Gemüsesorten werden jetzt ausgesät oder ruhen bereits in Saatschalen oder in der Erde auf dem Acker. Wir haben Johannisbeersteckhölzer geschnitten. Das Frühjahr ist für uns die arbeitsintensivste Zeit des Jahres, sodass jetzt alle Acker Pella auf dem Acker und in den Gewächshäusern anfassen müssen. In den Minigewächshäusern auf den Fensterbänken sind bereits Tomate und Paprika ausgesät.

Januar

Die ersten Samen (Prachtnelke, Dianthus superbus) ruhen in Saatschalen auf der Fensterbank. Sie müssen nun vier Wochen im Warmen verbringen, bevor sie für sechs Wochen der Kälte ausgesetzt werden und dann im Gewächshaus auflaufen können. Bald wird als erste Kultur auf dem Acker die Dicke Bohne (Vicia faba) ausgesät und dann geht es schon mit großen Schritten in die Vorzucht. Dieses Jahr können wir dabei erstmals auf unser selbst gewonnenes Saatgut zurückgreifen, das wir für viele Kulturen dank der Verwendung samenfester Sorten und des fleißigen Einsatz unserer Mitglieder und Helfer in ausreichender Zahl vorrätig haben. Erste Keimproben haben sehr gute Ergebnisse gezeigt.

Die Vorbereitungen für die Gartensaison 2015 sind bereits im vollen Gange. Auf der ersten Mitgliederversammlung 2015 wurden bereits der Pflanzplan und wegweisende Konzepte für dieses Jahr beschlossen. Aktuell sind die Vereinsmitglieder vor allem mit der Vorbereitung der bisher nicht verwendeten Gewächshausschiffe, der Instandsetzung der Gewächshäuser und Gemeinschaftsräume sowie der Herstellung und Heranschaffung von Mulch- und organischen Düngematerialien, wie Pferdemist und Kompost beschäftigt. Die Pflanzpläne sind bereits ausgearbeitet und auch das Bewässerungskonzept steht. Die durch die Spende des Unternehmens LUSH möglich gewordenen Neuanschaffungen im Bereich Werkzeug und Bewässerungssystem werden uns in der kommenden Saison hoffentlich einige Arbeitserleichterung bringen. Wir hoffen außerdem, durch den Einsatz des Bewässerungssystems unseren Wasser- und Energieverbrauch nachhaltig senken zu können. Daneben setzen wir in der nächsten Saison auf ein energiesparendes Beleuchtungskonzept, um unsere Umweltschutzbemühungen zu erweitern.

Wir  freuen uns auf hoffentlich zahlreiche Gemeinschaftsaktionen, Umweltbildungsseminare (z.B. Fledermauswochenende, vegane Pralinen selber machen) und vielleicht sogar die ein oder andere Exkursion (z.B. Besuch des Saatgutlieferanten Bingenheimer).

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